Auf dem Foto sitzen vier Personen auf einer Bühne. Zwei davon sind weiblich, die anderen beiden männlich. Im Hintergrund ist ein TV-Screen aufgebaut, darauf steht: "We can work it out – Wie stärken wir den Popstandort NRW?" Vor der Bühne sitzt das Publikum mit dem Rücken zur Wand.

Kulturpolitik

Themen und Positionen

Das PopBoard NRW versteht sich als zentrale Plattform für die Entwicklung kulturpolitischer Positionen und die gebündelte Interessenvertretung der Popkultur in Nordrhein-Westfalen. Es stärkt den Austausch, die Vernetzung und den Wissenstransfer zwischen Akteur*innen der Szene und politischen Entscheidungsträger*innen. 

Das PopBoard zeigt strukturelle Defizite auf und fordert gleichzeitig bessere Rahmenbedingungen für Musiker*innen, Veranstaltende und andere Kultur- und Kreativschaffende im Land. Das Ziel ist es, im Austausch mit Szene, Verwaltung und Politik tragfähige Lösungen für einen vielfältigen, zukunftsfähigen und nachhaltig gestärkten Pop-Standort NRW zu entwickeln.

Kulturpolitische Prioritäten des PopBoard NRW

Anerkennung von Popkultur als Kulturgut

Popkultur ist eine eigenständige, gleichwertige Kunstform mit kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Relevanz. Ihre Berücksichtigung in Förderprogrammen und Entscheidungsprozessen muss selbstverständlich sein.

Verteilungsgerechtigkeit und strukturelle Absicherung

Fördermittel müssen fair zwischen allen Kulturformen verteilt werden. Popkulturelle Infrastrukturen benötigen eine dauerhafte, verlässliche Finanzierung auf kommunaler, regionaler und Landesebene. Popkulturelle Arbeit verdient angemessene Wertschätzung und faire Vergütung.

Demokratisierung von Kultur

Kultur ist ein Menschenrecht: Alle haben das Recht, Kultur zu produzieren, zu teilen, zu rezipieren und mitzugestalten. Popkulturelle Akteur*innen, insbesondere queere, migrantische und andere marginalisierte Personen wie Menschen mit Behinderung oder FLINTA-Personen müssen aktiv in kulturpolitische Entscheidungsprozesse und Institutionen eingebunden werden.

Diversität der kulturellen Ausdrucksformen

Kulturelle Vielfalt, soziale Teilhabe, Inklusion und Nachhaltigkeit sind zentrale Werte popkultureller Arbeit. Popkultur steht für offene Räume und Zugänge, besonders für junge, migrantische, subkulturelle, marginalisierte und community-basierte Ausdrucksformen.

Datenbasierte Kulturpolitik

Regelmäßige Studien, Erhebungen und Monitoring schaffen eine belastbare Argumentationsgrundlage für kulturpolitisches Handeln und tragen zum Empowerment der Szene bei.

Querschnittsaufgabe Popkultur

Popkultur wirkt darüber hinaus an der Schnittstelle von Kultur, Jugend, Bildung, Stadtentwicklung, Wirtschaft und Soziales. Die Förderpolitik muss ressortübergreifendes Denken und Handeln ermöglichen.

Kulturpolitische Forderungen des PopBoard NRW

Was braucht die Popszene in NRW in den nächsten fünf Jahre?

Das PopBoard NRW ist eine übergeordnete Plattform der zentralen Akteur*innen und Verbände, die gemeinsam den Popstandort Nordrhein-Westfalen prägen und weiterentwickeln. Das Bundesland verfügt über ein kultur-, sozial- und wirtschaftspolitisch hoch relevantes Popökosystem: In Nordrhein-Westfalen gibt es jährlich mehr Festivals als in jedem anderen Bundesland. Es ist zweitgrößter Musikwirtschaftsstandort Deutschlands und wird von einer äußerst vielfältigen Szene aus Hunderten von Clubs, Veranstaltenden, Vereinen und Initiativen, starken Independent-Strukturen aus zahlreichen Labels, Verlagen sowie Studios und nicht zuletzt unzähligen Acts und Musikschaffenden getragen. Damit nimmt Popkultur eine herausragende Rolle für die kulturelle Wertschöpfung, Teilhabe, Kreativität und Innovation im Land ein.   

Über die wirtschaftliche und strukturelle Bedeutung des Popstandortes NRW hinaus entfaltet Popkultur eine eigenständige gesellschaftliche Kraft: Sie verleiht insbesondere marginalisierten Gruppen eine Stimme, setzt sich für Geschlechtergerechtigkeit und Inklusion ein und leistet mit ihrer ausgeprägten Vielfalt kultureller Ausdrucksformen einen essentiellen Beitrag zur Demokratieförderung.

Um diesen vielfältigen Dimensionen gerecht zu werden und die Zukunft der Popkultur zu sichern, formuliert das PopBoard NRW im Folgenden zentrale kulturpolitische Positionen, die einen systematischen und nachhaltigen Beitrag zur Sicherung, Stärkung und Weiterentwicklung des Popstandortes Nordrhein-Westfalen leisten sollen.   

A) Förderung & Finanzierung (strukturelle Absicherung) 

Ziel: Planungssicherheit, Verlässlichkeit und Gleichwertigkeit der Popförderung

Feste Verankerung der Popförderung im Landeshaushalt

Das PopBoard NRW fordert eine feste Verankerung im Landeshaushalt und mehrjährige Finanzierungszusagen für die Popförderung, um über Jahresgrenzen hinaus Planungssicherheit zu schaffen.

Der kulturelle und gesellschaftliche Einfluss von Pop wird durch die Logik kurzfristiger Projektförderungen und unsichere Budgets strukturell geschwächt. Wer Festivals, Tourneen, Nachwuchsförderung, Spielstätten-Entwicklung, Beratungsstrukturen oder regionale Netzwerke aufbaut, braucht verlässliche Perspektiven über mehrere Jahre. Das Land NRW hat die Aufgabe, Pop als gleichwertigen Teil der kulturellen Grundversorgung zu sichern. Das muss sich auf allen Ebenen zeigen: in entsprechenden kulturpolitischen Priorisierungen, stabilen Haushaltsansätzen und passenden Förderinstrumenten.

Die Popförderung ist ein Querschnittsthema und muss ressortübergreifend konzipiert und im Landeshaushalt mit angemessenen Ressourcen ausgestattet werden.

Kleinstförderung von Konzerten

Die Situation für Musiker*innen und Bands in Nordrhein-Westfalen, die am Anfang ihrer künstlerischen Entwicklung stehen, ist zunehmend angespannt. Zwar besteht bei vielen Clubs und Veranstaltenden ein klares Interesse daran, Konzerte mit Nachwuchstalenten und kleinen Acts zu realisieren und damit einen aktiven kulturellen Beitrag zu leisten. Der zunehmende wirtschaftliche Druck, unter dem Spielstätten und freie Veranstaltende stehen, erschwert diese Arbeit erheblich. Dadurch wird es für viele Acts deutlich schwieriger, ausreichend Auftrittsmöglichkeiten zu finden.

In der Praxis geraten Clubs und Spielstätten immer häufiger in einen Zielkonflikt zwischen kulturellem Anspruch und wirtschaftlicher Notwendigkeit: Um den eigenen Betrieb aufrechtzuerhalten, müssen sie sich vermehrt für Veranstaltungen mit verlässlicher wirtschaftlicher Perspektive entscheiden – zulasten von Konzerten mit weniger etablierten Acts, neuen Projekten oder experimentellen Formaten.

Genau an dieser Stelle setzt Kulturförderung an: Sie soll künstlerische Entwicklung ermöglichen, Innovation und Experimente unterstützen und das finanzielle Risiko abfedern, das mit solchen Veranstaltungen verbunden ist. Vor diesem Hintergrund ist die Einrichtung eines landesweiten Förderprogramms für niedrigschwellige Kleinstförderungen im Konzertbereich sinnvoll. Ein solches Programm sollte die Förderung einzelner Konzerte mit geringen Fördersummen ermöglichen und bewusst auf einfache, unbürokratische Verfahren setzen.

Die Antragstellung sollte gleichermaßen für Clubs, Veranstaltende und Musiker*innen möglich sein. Die Umsetzung eines solchen Programms könnte dabei an bestehende fachkundige Strukturen im Musik- und Kulturbereich anknüpfen, die über entsprechende Expertise und Netzwerke verfügen. Auf dieser Grundlage ließen sich auch fachlich kompetente Juryverfahren einrichten, die sicherstellen, dass bei der Förderung künstlerische Qualität, Innovation, Nachwuchsarbeit und Vielfalt im Konzertgeschehen angemessen berücksichtigt werden.

Mit vergleichsweise geringem finanziellen und administrativen Aufwand könnte so eine flächendeckende Wirkung – auch im ländlichen Raum – erzielt werden: Mehr Auftrittsmöglichkeiten für Musikschaffende, größere programmatische Freiheit für Clubs und Veranstaltende sowie eine nachhaltige Stärkung der künstlerischen Entwicklung und Sichtbarkeit der Vielfalt der Popkultur in Nordrhein-Westfalen.

Stärkung der Basisförderung: Niedrigschwellige Förderprojekte bis 25.000€

Das PopBoard NRW fordert eine konsequent niedrigschwellige Förderpraxis und den Ausbau wirksamer Kleinprojektförderungen für Popkultur, weil die Logiken und Bedarfe popkultureller Arbeit häufig nicht zu den etablierten Förderrastern passen. Pop in Nordrhein-Westfalen wird oft von Einzelkünstler*innen, Kollektiven, ehrenamtlichen Vereinen und sonstigen freien Initiativen getragen, die mit vergleichsweise geringen Budgets arbeiten.

Programme, die auf große Summen, lange Vorlaufzeiten und komplexe Projektarchitekturen ausgelegt sind, schließen viele dieser Akteur*innen aus. Für kleine Förderbeträge gelten oft dieselben bürokratischen Anforderungen wie für Spitzenförderungen. Das erzeugt ein Missverhältnis zwischen Verwaltungsaufwand und Fördervolumen, bindet kreative Energie und erschwert den Zugang – insbesondere für neue oder semiprofessionelle Szenen.

Kulturpolitik sollte Pop nicht nur dort fördern, wo Strukturen bereits groß und formalisiert sind. Popkulturelle Arbeit ist vielfach von flexiblen Strukturen, kleinen Budgets und kurzen Produktionszyklen geprägt. Förderinstrumente müssen diese Realitäten berücksichtigen. Dafür braucht es einfache, vollständig digitale Antragsverfahren, kurze Bearbeitungszeiten, klare Kriterien und schlanke Nachweise. Förderlinien sollten auch kleinere Bedarfe ermöglichen und kurzfristig zugänglich sein.

Zugleich ist eine transparente und proaktive Kommunikation der Förderstellen notwendig, etwa durch klare Beispiele, gut lesbare Leitfäden, erreichbare Ansprechpartner*innen und niedrigschwellige Informationsangebote. Bürokratieabbau und echte Niedrigschwelligkeit sind hier keine Komfortthemen, sondern Voraussetzung für kulturelle Teilhabe, Nachwuchsförderung und die Resilienz der Popinfrastruktur im Land.

B) Nachhaltigkeit & Professionalisierung

Ziel: Nachhaltigkeit und echte inhaltliche Auseinandersetzung mit den Bedarfen der Szene 

Verstetigung der Förderung des PopBoard NRW

Seit seiner Gründung im Jahr 2021 hat sich das PopBoard NRW als zentrale Plattform für die Popkultur in Nordrhein-Westfalen etabliert. Die Beratungsangebote des PopBoard NRW werden stark nachgefragt und zeigen den hohen Bedarf der Szene nach professioneller Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung kultureller Vorhaben. Auch die Konferenzformate, Mentoringprogramme sowie Studien und Publikationen des PopBoard NRW werden landesweit genutzt und stellen der Szene sowie der Politik wichtige Daten, Analysen und fachliche Expertise zur Verfügung.

Darüber hinaus hat sich das PopBoard NRW in kurzer Zeit zu einer wichtigen Schnittstelle zwischen Szene, Politik und Verwaltung entwickelt. Als Interessenvertretung und Ansprechpartner bündelt es Perspektiven aus der Praxis, bringt fachliche Expertise in kulturpolitische Prozesse ein und trägt dazu bei, die strukturelle Entwicklung des Popstandortes Nordrhein-Westfalen strategisch zu begleiten. Damit schließt das PopBoard NRW eine Lücke, die im Vergleich zu anderen Bundesländern lange bestanden hat.

Die Wirksamkeit dieser Arbeit wird jedoch durch die derzeitige Förderpraxis erheblich eingeschränkt. Die jährlich neu zu beantragende Projektförderung erschwert eine verlässliche Planung und führt dazu, dass erhebliche Ressourcen in Antrags- und Verwaltungsprozesse gebunden werden. Zudem erfolgen Bewilligungen häufig erst im Verlauf des Haushaltsjahres, was die kontinuierliche Projektarbeit sowie stabile Beschäftigungsstrukturen zusätzlich erschwert.

Für eine nachhaltige Entwicklung des Popstandortes Nordrhein-Westfalen braucht es daher eine verlässliche und langfristige Förderperspektive für das PopBoard NRW. Eine mehrjährige Förderung würde Planungssicherheit schaffen, administrative Aufwände reduzieren und ermöglichen, dass sich die Organisation stärker auf ihre inhaltliche Arbeit für Szene, Politik und Öffentlichkeit konzentrieren kann. Eine solche Verstetigung würde die langfristige Wirksamkeit der bestehenden Angebote nachhaltig stärken und die strategische Weiterentwicklung der Popkultur in Nordrhein-Westfalen sichern. 

Gezielte Weiterentwicklung der Popförderung: Förderlücken schließen

Das bestehende Popfördersystem in Nordrhein-Westfalen muss konsequent weiterentwickelt werden. Wir fordern, die Lücke zwischen Nachwuchs- und Spitzenförderung zu schließen und eine Förderlandschaft zu schaffen, die popspezifische Karriereverläufe realistisch abbildet. Pop entwickelt sich nicht linear und lässt sich nicht in die Förderlogiken anderer Sparten pressen. Deshalb braucht es aufeinander aufbauende Programme, die Nachwuchs fördern, künstlerische Entwicklung absichern und professionell agierende Künstler*innen entscheidenden Phasen gezielt unterstützen.

Bestehende Programme wie create music NRW und popNRW gilt es auszubauen. Ergänzend braucht es bislang fehlende Förderbausteine, etwa für Songwriting, Mentoring, Produktionsphasen, Aufnahmen und Veröffentlichungen sowie Arbeits- und Entwicklungsstipendien für professionell agierende  Musiker*innen. Nachwuchsförderung im Pop muss altersunabhängig gedacht werden. Nordrhein-Westfalen braucht endlich ein Fördersystem, das Übergänge ermöglicht, statt Karrieren an strukturellen Lücken scheitern zu lassen.

Stärkung der Kreativwirtschaft als Teil der Popinfrastruktur

Popförderung darf sich nicht auf Künstler*innen allein beschränken. Wer Pop in Nordrhein-Westfalen stärken will, muss die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick nehmen. Wir fordern deshalb, die Kreativwirtschaft systematisch als Teil der Popinfrastruktur anzuerkennen und verbindlich in Förderlogiken einzubeziehen. Labels, Verlage, Managements, Booking-Agenturen, Veranstaltende und Live-Spielstätten sind keine Randakteure, sondern zentrale Anker für Sichtbarkeit, Professionalisierung und nachhaltige Karrieren im Pop.

Sie bauen Künstler*innen auf, schaffen Reichweite, sichern Verwertungsstrukturen und prägen den Popstandort NRW entscheidend mit. Eine Förderpolitik, die diese Akteur*innen ausblendet, bleibt unvollständig. Nordrhein-Westfalen braucht deshalb Förderformate, die bestehende Programme sinnvoll ergänzen, Synergien nutzen und die Kreativwirtschaft als Motor kultureller und wirtschaftlicher Entwicklung endlich ernst nehmen.

C) Recht, Regulierung & Rahmenbedingungen

Ziel: Einheitliche und zukunftsfähige Regeln

Vereinheitlichung der Vergnügungssteuer-Ausnahmen für Kulturveranstaltungen in NRW

Das PopBoard NRW positioniert sich gegen die Erhebung der Vergnügungsteuer auf Kulturveranstaltungen, weil diese Steuer insbesondere kuratierte Spielstätten strukturell benachteiligt. Kulturveranstaltungen mit künstlerischer Leistung, kuratorischer Arbeit, Bildungs- und Teilhabeeffekten sowie erheblicher lokaler Wertschöpfung sollten steuerlich nicht in einer Logik behandelt werden, die historisch eher „Vergnügen“ im Sinne von Glücksspiel oder Sexarbeit adressiert. 

Gerade dort, wo Kommunen Kulturangebote begrüßen, die ohne Subventionen auskommen oder selbst institutionell fördern, wirkt die Vergnügungsteuer als widersprüchlicher Bremsklotz: Sie entzieht Veranstalter*innen kleiner oder mittlerer Größe Liquidität, erhöht wirtschaftliche Risiken und schwächt die fragile Infrastruktur von Clubs, Kollektiven und engagierten Einzelpersonen. Damit trifft sie ausgerechnet jene Akteur*innen, die kulturelle Vielfalt, Nachwuchsförderung und Nachtökonomie vor Ort ermöglichen. 

Ziel muss es sein, landesweit bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich kulturelle Orte und Szenen nachhaltig entwickeln können. Freie Clubs und Kulturstätten erhalten in der Regel keine institutionelle Förderung und werden zugleich durch Abgaben wie die Vergnügungsteuer zusätzlich belastet. Diese strukturellen Rahmenbedingungen erschweren die langfristige Entwicklung der Club- und Popkultur in Nordrhein-Westfalen. 

Wir fordern eine NRW-weite Ausnahmeregelung für Kulturveranstaltungen, insbesondere, aber nicht nur für kuratierte Spielstätten.

Landesweites Kulturraumschutzkonzept

Der Popstandort Nordrhein-Westfalen ist auf lebendige kulturelle Räume angewiesen – Clubs, Spielstätten und weitere Orte, an denen Musik entsteht und öffentlich erfahrbar wird. Diese Räume stehen jedoch seit Jahren unter zunehmendem Druck: 

Steigende Mieten, Nachverdichtung und Nutzungskonflikte führen dazu, dass kulturelle Orte verdrängt, verkleinert oder ganz geschlossen werden. Gerade im urbanen Raum entsteht dadurch ein schleichender Verlust kultureller Infrastruktur, der die Entwicklung der Popkultur nachhaltig schwächt. Es braucht daher ein klares kulturpolitisches Bekenntnis des Landes Nordrhein-Westfalen zum Schutz kultureller Räume. Ziel muss es sein, bestehende Orte langfristig zu sichern, Nutzungskonflikte zu entschärfen und zugleich neue Räume für die Popkultur zu ermöglichen. 

In vielen urbanen Räumen fehlen zudem strukturierte Ansätze, um Kulturräume – insbesondere für die Popkultur – langfristig zu sichern. Während einige Großstädte bereits funktionierende Modelle vorweisen, mangelt es in ländlichen Regionen und kleineren Städten oft an Ressourcen, Fachwissen und Vernetzungsmöglichkeiten. Diese Lücke gefährdet nicht nur bestehende Kulturräume, sondern verhindert auch die Entstehung neuer Orte für kulturelle Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Ein landesweiter Ansatz kann hier Abhilfe schaffen: Durch den systematischen Abgleich von Best-Practice-Beispielen und die Entwicklung von zielgruppenspezifischen Beratungs- und Qualifizierungsformaten wird der Austausch zwischen kommunalen Verwaltungen und der regionalen Kulturszene gestärkt. Dies ermöglicht es, passgenaue lokale Strategien zu entwickeln, die Kulturräume nachhaltig sichern und die Gründung neuer Projekte fördern.

Qualifizierungsmaßnahmen für Diversität und Inklusion

Eine zukunftsfähige Popförderung in Nordrhein-Westfalen basiert auf Diversität und Inklusion als strukturellen Grundpfeilern. Das Land NRW hat hierzu bereits Impulse gesetzt, die es weiterzuentwickeln und stärker für die spezifischen Bedarfe der Popkultur zu öffnen gilt. Insbesondere die freie Szene, Clubs und Festivals sind bislang nicht systematisch adressiert, obwohl hier besondere Anforderungen an diskriminierungssensibles, barrierefreies und inklusives Arbeiten bestehen.

Wir regen daher an, bestehende Programme gezielt zu ergänzen und dauerhaft abzusichern. Erforderlich sind Qualifizierungs-, Beratungs- und Weiterbildungsangebote, die sich an Akteur*innen des Popökosystems richten und Themen wie barrierefreie Veranstaltungsplanung, Awareness, machtkritische Perspektiven, faire Teilhabe und diversitätsorientierte Nachwuchsförderung systematisch aufgreifen. Dies ist nicht nur kulturpolitisch relevant, sondern auch mit Blick auf Fachkräftesicherung und die nachhaltige Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft von Bedeutung.

Das PopBoard NRW kann Bedarfe aus der Szene sichtbar machen, geeignete Expert*innen und Angebote vermitteln sowie Vernetzung und Wissenstransfer unterstützen, um Qualifizierungsmaßnahmen passgenau weiterzuentwickeln und langfristig zu verankern.

Ziel ist es, bestehende Ansätze strukturell zu stärken, Diskriminierung wirksam abzubauen und gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen. Diversität und Inklusion sind dabei zentrale Voraussetzungen für eine demokratische, offene, gerechte und zukunftsfähige Gesellschaft.

Studien

Das PopBoard NRW hat mehrere Studien in Auftrag gegeben, um das Musikökosystem in Nordrhein-Westfalen in seinen zahlreichen Facetten und mit dem Fokus auf Popmusik zu untersuchen. Diese Datengrundlage soll den unterschiedlichen Gruppen, mit denen das PopBoard NRW in Beziehung steht, Orientierung bieten.

Die empirischen Studien wurden in Kooperation mit verschiedenen wissenschaftlichen Partner*innen durchgeführt und decken fünf Teilbereiche der Musik- und Popkultur ab. All diese Studien sind Teil einer großen transdisziplinären Untersuchung im Sinne einer Inventur des Pop-Standorts Nordrhein-Westfalen, wie sie in der Vergangenheit noch nicht geleistet wurde.

Gesamtbericht

Status quo Poplandschaft NRW

Der vorliegende Abschlussbericht präsentiert die Kernergebnisse aller Einzeluntersuchungen.

Einzelstudien

Poplandschaft NRW 2024

Das Ziel der Studie „Poplandschaft NRW“ ist eine aktuelle Erhebung und Darstellung der Pop-Landschaft in Nordrhein-Westfalen. Neben Unternehmen, Umsätzen und Erwerbstätigen geht es auch um branchen-spezifische Kennzahlen, eine differenzierte Einschätzung der aktuellen Situation und mögliche Förder-und Unterstützungsmaßnahmen

Zu den Kernerkenntnissen der Untersuchung gehört, dass die Teilnehmenden NRW als vielseitigen Pop-Standort mit einem hohen Anteil regionaler Acts, einer Vielfalt an Subkulturen und einer großen Anzahl an Konzert-Venues sehen. Alle Wertschöpfungsebenen sind am Standort NRW vertreten, geprägt durch eine starke Independentstruktur. Jedoch schränken die Verdrängung von Clubs und bezahlbaren Proberäumen, eine mangelhafte Infrastruktur, u.a. im Förderbereich, sowie eine fehlende Aufbruchsstimmung das Entwicklungspotenzial ein. NRW muss hier sein Potential und seine Relevanz als zweitgrößter Musikwirtschaftsstandort in Deutschland und der größten Clubdichte bundesweit, stärker wahrnehmen und fördern. Daher wünscht sich die Popmusik-Branche NRW z. B. eine engere Vernetzung der Kreativwirtschaft, Initiativen für mehr Sichtbarkeit, den Schutz von Pop-Kulturräumen oder eine Stärkung des Ausbildungsstandorts.

Musiker*innen Umfrage „Sounds like NRW“

Der vorliegende Bericht „Sounds like NRW“ präsentiert die Ergebnisse zur Lage der Pop-Musiker*innen in Nordrhein-Westfalen und geht dabei systematisch und differenziert auf die Arbeits- und Produktionsbedingungen der Pop-Musiker*innen ein. Adressiert sind dabei alle (Pop-) Musiker*innen mit Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen, unabhängig von Alter oder Karrieresituation. Die hier dargestellten Ergebnisse beruhen auf Angaben von 622 Musiker*innen, die den umfangreichen Fragebogen zwischen Dezember 2022 und Februar 2023 beantwortet haben. Die Mehrheit der Befragten lebt in den größeren und großen Städten Nordrhein-Westfalens; durch die gezielte Steuerung ist es jedoch gelungen, Befragte aus allen fünf Regierungsbezirken zu gewinnen und fast alle 53 Kreise in der Stichprobe zu repräsentieren.

Die Studie analysiert unter anderem die Aktivitäten von Musiker*innen (bspw. Konzerte, Musikunterricht und Proben), ihre ökonomische und professionelle Situation (bspw. Einkommen und Gagenniveaus), ihre Netzwerke (bspw. die Kooperation mit anderen Akteur*innen der Musikwirtschaft), die Inanspruchnahmen von Förderungen sowie die Beurteilung des Standorts NRW für Popmusik-Musiker*innen. Auf Basis dieser Daten evaluiert dieser Bericht die Produktions-, Arbeits- und strukturellen Rahmenbedingungen von Pop-Musiker*innen in NRW.

Popmusik-Festivals: Einblicke in die Festivallandschaft NRW

Die Studie „Popmusik-Festivals: Einblicke in die Festivallandschaft NRW“ ist Teil einer umfangreichen empirischen Untersuchung, die dem Prinzip einer Inventur des Pop-Standorts Nordrhein-Westfalen folgt. Im Rahmen des Gesamtprojekts wurden zahlreiche Adressen und Kontakte von Musikspielstätten, Festivals, Labels, Musikverlagen und -vertrieben, Musikschulen und weiteren Ausbildungsinstitutionen aus dem Bereich der Popkultur recherchiert. Die Ergebnisse dieser Recherche sind seit April 2022 auf der Webseite des PopBoard NRW in Form einer interaktiven Karte visualisiert. Zusätzlich wurden Daten von über 2500 Musiker*innen und Bands aus dem Bereich der Popmusik in die Map integriert. 

Um detaillierte Einblicke in die Festivallandschaft Nordrhein-Westfalens zu erhalten, hat das PopBoard NRW die Betreibenden von Popmusik-Festivals im Sommer 2024 zu unterschiedlichen Themen befragt. Die Ergebnisse der Befragung präsentiert der vorliegende Bericht, dessen Fundament zwei Leitfragen bilden: Wie stellt sich die Situation von Popmusik- Festivals und ihren Betreiber*innen in Nordrhein-Westfalen dar und welche Maßnahmen können zur Stärkung des Standorts NRW ergriffen werden?

Kommunale Popmusik-Förderung in NRW

Die Studie „Kommunale Popmusik-Förderung in NRW” ist Teil einer größeren empirischen Untersuchung im Sinne einer Inventur des Pop-Standorts Nordrhein- Westfalen. Der vorliegende Bericht präsentiert die Ergebnisse der Untersuchung der kommunalen Popmusik-Förderung in kreisfreien Städten Nordrhein-Westfalens. 

Die Studie steht im Kontext weiterer vom Pop­Board NRW beauftragten Projekte, die kurso­risch aufgezeigt werden sollen. Im Rahmen des Projekts „Pop-Map NRW” wurden Adres­sen und Kontakte von Musikspielstätten, Fes­tivals, Labels, Musikverlagen und -vertrieben, Musikschulen und weiteren Ausbildungsin­stitutionen aus dem Bereich der Popkultur recherchiert.

Proberaum-Infrastruktur in NRW

Der vorliegende Bericht „Proberaum-Infrastruktur in NRW“ präsentiert die Ergebnisse zu Proberäumen in größeren Proberaumzentren in Nordrhein-Westfalen. Die Studie analysiert unter anderem, wie sich das Angebot, die Mietpreise und technische Ausstattungen von Proberäumen darstellen. Auf Basis dieser Daten charakterisiert der vorliegende Bericht Proberäume als zentrale Orte für die musikalische Aktivität von Popmusiker*innen in Nordrhein-Westfalen.

Dass Proberäume als wichtige Orte für lokale und überregionale popkulturelle Aktivität angesehen werden müssen, zeigt sich auch daran, dass sich in der jüngeren Vergangenheit viele Studien aus zahlreichen Städten mit dem Thema beschäftigten – bspw. in Köln (Rühl 2019), München (Feierwerk Fachstelle Pop 2018), Berlin (Musicboard Berlin 2020), Düsseldorf (Kulturamt Düsseldorf 2010) oder Münster (muensterbandnetz 2014, 2023). Die Befunde legen nahe, dass sich kommunale Proberaumangebote durchaus unterscheiden und der Markt heterogen ist.

Musiker*innen proben teils in informell oder privat vermieteten Räumen, teils in Räumen von Musikinstitutionen wie Musikschulen oder in Proberaumzentren. Ausschließlich letztere stehen im Mittelpunkt dieser landesweiten Untersuchung. Die Leitfrage der vorliegenden Studie lautet folglich: Was kennzeichnet den Markt für Proberäume in den Proberaumzentren Nordrhein-Westfalens?

Berichte

Kulturelle Räume in Nordrhein-Westfalen

Der Bericht „Kulturelle Räume in Nordrhein-Westfalen. Perspektiven und Strukturen popkultureller Arbeit vor Ort“ untersucht lokale Pop-Strukturen und ihre gesellschaftliche Relevanz. Bei der Beschäftigung mit diesem Thema liegt der Fokus auf (ehrenamtlichen)
Vereinen und Initiativen sowie Einzelakteur*innen, auf ihrem popkulturellen Wirken vor Ort und darauf, ihr Engagement sichtbar zu machen und zu stärken.

Über zwei Jahre hinweg, zwischen September 2023 und September 2025, haben Projektmitarbeiter*innen des PopBoard NRW, mit 42 Popkultur-Akteur*innen aus 32 Initiativen, Vereinen oder ähnlichen Strukturen gesprochen. Alle Gespräche wurden aufgezeichnet und transkribiert und die Aussagen anhand der übergeordneten Themen und Fragestellungen geclustert. Im vorliegenden Bericht werden die zentralen Aussagen nach vier Themenfeldern gegliedert: (1) Selbstverständnis und Motivation, (2) Beziehungen und Netzwerke, (3) Herausforderungen und Bedarfe sowie (4) Förderung und Finanzierung.

Stellungnahmen

Durch gezielte Stellungnahmen und der Unterzeichnung von offenen Briefen will das PopBoard seine fachliche Einschätzung zu aktuellen Themen aus der Popwelt weitergeben, Transparenz schaffen und Entscheidungsprozesse der Szene unterstützen.

Offener Brief von NdM: Bundesweite Zukunftsoffensive für COSMO Radio

Für das PopBoard NRW ist COSMO ein unverzichtbarer Bestandteil der deutschen Radiolandschaft. Als Sender mit internationaler Ausrichtung schafft er Raum für interkulturellen Dialog und musikalische Vielfalt. COSMO verleiht migrantischen, queeren und anderen oft unterrepräsentierten Perspektiven eine wichtige Stimme im öffentlichen Diskurs.

Die Petition „Save Cosmo“, die bereits von über 100.000 Menschen unterzeichnet wurde, zeigt eindringlich, dass die Zivilgesellschaft diesen Kahlschlag nicht mitträgt.

Offener Brief von PRO MUSIK gegen Ticket-Wucher auf dem Zweitmarkt

Das PopBoard NRW und seine Gesellschafter*innen unterstützen die Forderungen von Pro MUSIK, denn Kultur ist keine Ware und Tickets sind keine Spekulationsobjekte.

Musik verbindet Menschen. Konzerte sind Orte der Gemeinschaft. Wenn Fans wegen Preistreiberei und Ticketbetrug dem Konzertsaal fernbleiben müssen, verlieren wir alle: die Fans, die Künstler*innen, die gesamte Livebranche und die Gesellschaft. 

Stellungnahme des PopBoard NRW zur GEMA-Kulturförderung

Das PopBoard NRW und seine Gesellschafter*innen begrüßen das Reformvorhaben 2025 der GEMA. Kultur ist mehr als Tradition, Kultur ist im stetigen Wandel. Vergütungsmodelle und Förderungen müssen auf soziale und kulturelle Entwicklungen reagieren, was fortlaufende Anpassungen zwingend notwendig macht.